Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenhin. [Johannes 2,7]
Sechs steinerne Wasserkrüge standen zu Kana, nicht zur Zierde, sondern zum Gesetz, zur Pflicht, zur Reinigung. Krug um Krug, Tag für Tag. Und doch: der Wein auf der Hochzeit ging dennoch aus. Das Gesetz kann äußerlich reinigen, aber es kann keine Freude schenken. Es benennt den Schmutz, tilgt ihn aber nicht wirklich. Erkennst du dich wieder? Hast du durch religiöse Routine die Freude erzwingen wollen und fandest am Ende nur einen leeren steinernen Krug? Der Herr der Herrlichkeit betritt die Hochzeit – und befiehlt: „Füllet die Krüge mit Wasser.“ Nicht mit neuem Krug, nicht mit anderem Gesetz. Mit schlichtem, klarem Wasser. Und die Diener gehorchen, ohne zu fragen, ohne zu sehen. Bis obenan. Dieses Wasser ist das Wort Gottes: Christus hat die Gemeinde geliebt und geheiligt, „sie reinigend durch das Wasserbad im Wort“ (Eph 5,26). Fülle deinen Krug – täglich, hungrig, im Glauben.
Dann der Augenblick, der alle Erklärung übersteigt: Das Wasser ist Wein. Souveräne, göttliche Schöpfermacht und der Speisemeister ruft: „Du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.“ Der beste Wein kam zuletzt. Was das Gesetz nie vermochte, vollbringt das Wort Gottes durch den Heiligen Geist: Es verwandelt. Es erneuert. Es schenkt eine Freude, die besser ist als die erste, besser als alle vorübergehende Lebensfreude, besser als alles, was die Welt je zu bieten hat. Gott lässt den Wein ausgehen, damit wir lernen, wo der wahre Wein zu finden ist. Öffne die Schrift. Lies. Bete das Wort zurück zu Gott. Täglich. Hungrig. Und dann kommt der Moment, wo du nicht mehr erklären kannst, woher diese Freude stammt, du weißt nur: der gute Wein wurde aufgehoben, für jetzt.
Herr Jesus, fülle unsere steinernen Krüge mit dem Wasser deines Wortes. Verwandle es in die Freude deines Geistes. Lass den besten Wein jetzt fließen, zu deiner Ehre.
R. Dickert

